Demobericht “IfS dicht machen! – Neue Rechte alt aussehen lassen“, Schnellroda 17. Februar 2017

Am 17. Februar konnten wir in Schnellroda von 13 bis 18 Uhr erfolgreich verschiedene Protestaktionen durchführen. Darunter waren ab 13 Uhr drei Infopunkte an allen Aus- bzw. Einfahrtsstraßen des Dorfes. Die Punkte wurden von NoHalgida, der Linkspartei des Saaleskreises und dem Querfurter Bündnis für Weltoffenheit organisiert und verantwortet, womit auch die regionale Verbindung unseres Protestes im Saalekreis deutlich wird. Von dort aus beobachteten die gut 40 bereits anwesenden Antifaschist*innen die Szenerie, insbesondere den Einmarsch der zum „Institut für Staatspolitik“ (IfS) anreisenden Faschist*innen. Dabei wurde auch unser Unmut über die dort vertretene menschenfeindliche Propaganda und die Anwesenheit theoretischer und praktischer Gewalttäter*innen deutlich.

Die Tatsache, dass vor allem Menschen aus dem Umfeld der “Identitären Bewegung” am Nachmittag bereits ausschwärmten, um die Menschen an den einzelnen Infopunkten zu beleidigen, abzufotografieren und zu stören, hat unserem Protest letztendlich nicht geschadet, sondern war vielmehr ein Beleg für die Gefährlichkeit und ideologische Verrohung der IfS-Teilnehmer*innen. Dazu passt die bei der Beobachtung festgestellte Anwesenheit etlicher überregionaler und lokaler Nazi-Kader, die teilweise zur Akademie anreisten, teilweise aber auch dem Ruf Kubitscheks gefolgt waren, sich am Tagungsort mit Glühwein zu betrinken und die IfS-Tagung durch ihr militantes Auftreten zu unterstützen. Daran sieht man, dass das IfS zum einen von der lokalen Neo-Nazi-Szene geschätzt wird und zum anderen, dass Kubitschek sich auf die Nazi-Schläger*innen Sachsen-Anhalts verlassen kann.

Trotzdem konnte von 13 bis 16 Uhr mit angereisten und einheimischen Menschen auf antifaschistischer Basis diskutiert und die Dominanz der Faschist*innen im Dorf gebrochen werden. Ihnen gelang es weder unsere Info-Arbeit zu stören, noch hatten sie das Gefühl offen und ohne Probleme selbst anreisen zu können, denn wir konnten kaum Verkehr in Schnellroda feststellen. Offensichtlich haben sich IfS’ler*innen also ins Dorf schleichen oder deutlich früher als geplant abreisen müssen, um unserer Kritik und unserem Protest entgehen zu können.

Der zweite Teil des Protestes war unsere Demonstration durch das Dorf ab 16 Uhr. Hier fanden sich (je nach Schätzung) zwischen 110 (Polizei) und 150 (MDR) Menschen ein und zeigten, dass sie für eine freie und solidarische Gesellschaft eintreten und sich dafür einsetzen wollen, dass die Rechten auch in kleinen Dörfern kein ruhiges Hinterland haben! Untermauert wurde diese Vorhaben durch viele inhaltlich wertvolle Redebeiträge, zum Beispiel von Kaltland-Reisen aus Sachsen [1], einem Beitrag der Gruppe “vonnichtsgewusst” aus Österreich oder vom Bündnis Querfurt für Weltoffenheit.

Auch wenn wir natürlich nicht zufrieden sind, solange die Menschenfeind*innen vom Institut für Staatspolitik in Schnellroda noch ihre Basis haben und eine gewisse gesellschaftliche Wirkmächtigkeit entfalten können, werten wir den gestrigen Tag als Erfolg für unseren antifaschistischen Protest und danken allen Helfer*innen, Teilnehmer*innen und interessierten Anwohner*innen für ihre Zeit und ihr Engagement. Eine traurige Bestätigung für unsere Arbeit lieferte leider noch der Verlauf des Abends, denn einem Querfurter Aktivisten wurden von mutmaßlich rechter Seite für seine antifaschistische Arbeit die Reifen seines Autos zerstört. Wir nehmen auch diesen Vorfall als Anlass gegen den Ort vorzugehen, an dem diese Gewalt vorgedacht wird: das IfS!

[1] Redebeiträge (Auswahl):
Kaltland Reisen: Jack und die starken Männer – Ein Maskulinist in Schnellroda
http://kaltland.blogsport.eu/redebeitraege/jack-und-die-starken-maenner-ein-maskulinist-in-schnellroda/

Jule Nagel: IfS dicht machen – Diskursverschiebung nach rechts unterbrechen! http://jule.linxxnet.de/index.php/2017/02/18414/

No Halgida https://nohalgida.wordpress.com/2017/02/18/redebeitrag-zur-demo-ifs-dicht-machen-neue-rechte-alt-aussehen-lassen-schnellroda-17-februar-2017/

SDS.Die Linke MLU: Die falsche Kritik am Falschen – Kubitscheks Meinung über das Holocaustgedenken https://www.facebook.com/notes/sdsdie-linke-mlu/die-falsche-kritik-am-falschen-kubitscheks-meinung-%C3%BCber-das-holocaustgedenken/1256055537776602

Kollektiv „vonnichtsgewusst“: Warum Gewalt Kern der „Neuen“ und „Alten“ Rechten ist http://vonnichtsgewusst.blogsport.eu/2017/02/26/warum-gewalt-kern-der-neuen-und-alten-rechten-ist-redebeitrag-schnellroda-17-02-2017/

Demoberichte:
Bündnis Querfurt für Weltoffenheit https://querfurt-fuer-weltoffenheit.blogspot.de/2017/02/ifs-dicht-machen-demobericht.html

Kaltland Reisen http://kaltland.blogsport.eu/reiseberichte/eine-landpartie-oder-warum-schnellroda-nicht-auf-ziegen-reduziert-werden-sollte/

Kollektiv „vonnichtsgewusst“ http://vonnichtsgewusst.blogsport.eu/2017/02/26/fest-der-voelkischen-demobericht-schnellroda-17-02-2017/

Bilder der Demo:
https://www.flickr.com/photos/simontelemann/sets/72157680453911545

https://www.flickr.com/photos/lukasbeyer/sets/72157678859844770/with/32141319843/

https://www.flickr.com/photos/150524166@N05/sets/72157676955139033

Redebeitrag zur Demo: “IfS dicht machen! – Neue Rechte alt aussehen lassen“, Schnellroda 17. Februar 2017

Lieber Martin,

wir wissen, dass du es gar nicht magst, wenn man dich thematisiert. Deswegen machen wir es einfach mal. Vermutlich hockst du grad an einer Längsseite eines Tisches im Veranstaltungsraum des Schäfchens, oder du filmst, dir mit der Zunge die Mundwinkel ausleckend, die böse Antifa, die jedes Mal kommt, um deinem intellektuellen Schamanen und seiner Ziege auf die Nerven zu gehen. Wir sind uns jedoch sicher, dass du aufgrund deines Narzissmus den Beitrag lesen wirst. Dabei ist uns auch egal, ob du dir in Wien in die Hose gemacht hast, oder deine 15 Fotos um zu beweisen, dass dem nicht so war. Denn weder dein Narzissmus, noch deine eventuelle Inkontinenz sind schlussendlich politische Kategorien, die zu kritisieren sind. Grund unseres Beitrages ist dein morgiger Vortrag, bei dem Du zur Gewaltfreiheit der Identitären Bewegung schwafeln willst, während du mit dem Finger am Abzug der Pfefferspraypistole in der Hosentasche spielst. Dies und deine Verbalinkontinenz, die du mit deiner Agitation faschistischer Ideologie verbreitest, sind die Gründe, warum es sich lohnt dich in den Fokus zu nehmen.

Lieber Martin, wir kennen uns. Nein, noch nicht so lange, dass wir dich bei deinen Neonaziaktivitäten im Umfeld von Küssel erlebt hätten, die du nonchalant mit einem Verweis auf Jugendsünden beiseite wischst, wie du es auch mit den Kategorien der Klasse und Rasse machst. Ja, lächelnd argumentative Luftgebäude aufbauen, das kannst du. Bestimmt auch lächelnd über die Friedfertigkeit deiner testosterongesteuerten Jugendbande referieren, doch wie sieht es in der Realität aus? Bei unseren Treffen, als du die aus neonazistischen Schlägern bestehenden hallenser Ableger besuchtest, warst du gar nicht so friedfertig. Wir konnten erleben, als du zum rasenden Ziegenbock mutiertest, als etwas nicht so klappte, wie du es dir vorgestellt hast. Wir konnten erleben, wie aus der intellektuellen neurechten Avantgarde ein ordinärer rechtsextremer Schlägertrupp wurde.

Lieber Martin, und zu der Sache in Wien: wir können uns gut vorstellen, wie du feuchte Hosen bekamst, als du deinen Drang zur unmittelbaren aggressiven Tat befriedigen konntest. Als du mit einem, für den Angegriffenen als Pistole wahrzunehmenden, Gegenstand mal schön auf die „volkszersetzenden“ Linken ballern konntest. Als du deine von Abwehrhalluzinierungen nur so triefende faschistische Ideologie konkretisieren konntest. Natürlich im Duktus der heroischen Tat, des sich aufopfernden heldenhaften Recken. Als du dich kurz als Ernst Jünger fühlen konntest, halten wir es für möglich, dass sich auch die Verbindung deiner Libido mit der ausführenden Gewalt, in der Tat einer feuchten Hose artikulierte.

Lieber Martin, warum sagen wir das so? Warum thematisieren wir das? Weil es den Kern eurer Ideologie betrifft. Weil ihr euch mit jedem Argument auf die Gewalt bezieht, die ihr gewollt seid gegen nicht zum Volkskörper Gehörende anzuwenden. Doch, lieber Martin, das werden wir nicht zulassen. Deswegen thematisieren wir dich und deine Gewaltgeilheit. Deswegen gehen wir dir und Götz auch jedes Mal in dem von euch als ruhigen Agitationsort imaginierten Schnellroda auf die Nerven.

Alerta Antifascista.
Für die Befreiung der Ziege.

Oury Jalloh GeDenken 12. Todestag – Das war Mord!

Am Sonnabend, den 7.1.2017 jährt sich zum 12. mal der Todestag von Oury Jalloh.

Am frühen Morgen des 7. Januars 2005 wird der aus Sierra Leone Geflüchtete von zwei Dessauer Polizeibeamten rechtswidrig in Gewahrsam genommen. Die Polizisten fixieren ihn an Händen und Füßen auf einer schwer entflammbaren Matratze in der Zelle 5 des Dessauer Polizeireviers. Wenige Stunden später ist Oury Jalloh bis zur Unkenntlichkeit verbrannt…

AktivistInnen der „Initiative in Gedenken an Oury Jalloh e.V.“ gaben im November 2016 in Halle bei der Veranstaltung „Oury Jalloh – Von Polizisten ermordet – vom Staat vertuscht!“ einen Überblick über die erschreckenden Geschehnisse sowie die aktuellen, skandalösen Entwicklungen.

Das Fazit der Initiative: „Wir haben verstanden, dass wir nicht nur die Aufklärung des Mordes an Oury Jalloh selbst in die Hand nehmen müssen – weil dies kein Staatsanwalt oder Richter tun wird. Wir haben gezeigt, dass ein langer Atem und eine breite Solidarität so viel Druck erzeugen, dass Oury Jalloh und die vielen anderen Opfer nicht vergessen werden.“

Wir rufen euch deshalb auf, am Sonnabend mit uns nach Dessau zu fahren und deutlich zu machen, das hier Aufklärung weiterhin notwendig ist und zeigt euch solidarisch mit allen Betroffenen rassistischer Gewalt!

Die Linksjugend solid Halle hat eine Busanreise organisiert (Danke!). Infos und freie Plätze gibt es hier: https://www.facebook.com/events/546263132211044/

Demo: 7. JANUAR 2017 IN DESSAU ab 14 Uhr am Hauptbahnhof

Aufruf: http://keineinzelfall.net/aufruf/
Anreise: http://keineinzelfall.net/anreise/

 

Gedenkkundgebung für Jörg Danek

Das Offene Antifaplenum Halle ruft für Donnerstag, den 29.12.2016 um 15 Uhr zu einer Gedenkkundgebung vor dem Neustadt-Centrum für den von Neonazis in Halle ermordeten Jörg Danek auf und schreibt dazu:

„Bereits letztes Jahr gedachten wir dem von Neonazis ermordeten Jörg Danek. 16 Jahre nach seinem Tod versammelten sich etwa 20 Menschen vor dem S-Bahnhof Halle Neustadt. Grafitti-Künstler gestalteten mit Sprühkreide den Schriftzug „Jörg Danek – Niemand wird vergessen!
Auch dieses Jahr möchten wir auf das Schicksal Jörg Daneks aufmerksam machten und den Tatort als solchen sichtbar machen. Zum anderen soll diese öffentliche Kundgebung als Aufruf dienten, Angehörige und Freund*innen des Getöteten zu finden.“

Facebook-Veranstaltung: https://www.facebook.com/events/1202714089804180/

Hintergrundinfos zur Tat auf der Webseite der Kampagne „Wir erinnern an Opfer rechter Gewalt in Sachsen-Anhalt“: http://www.rechte-gewalt-sachsen-anhalt.de/todesopfer/joerg-danek/

Beitrag bei den Antifa-News von Radio Corax: http://radiocorax.de/antifanews-fuer-den-29-dezember-2016/

Skript zum Vortrag: Der verzweifelte Schrei nach Revolution – Die rechtsradikalen Identitären in Halle

Mitte November 2016 veranstalteten wir die Informationsveranstaltung „Der verzweifelte Schrei nach Revolution – Die rechtsradikalen Identitären in Halle
Im Vortrag haben wir die zahlreichen Interessierten über die Wurzeln der Identitären, ihre Aktionskonzepte, Aktionen und Vernetzung in die rechte Szene informiert. Besonderer Fokus lag dabei auf den Aktionen und Aktivisten der „Kontrakultur Halle“.
Nun liegt der Vortrag als Skript zur individuellen Lektüre vor. Informiert euch und werdet aktiv!

Vortrag zum Download (PDF): skript-rechtsradikale-identitare-halle

Vortrag: Die politische Krise der Europäischen Union und das Erstarken autoritärer Bewegungen

Donnerstag, 08.12. 2016 um 19:00
Ort: Melanchthonianum Hörsaal A, Universitätsplatz Halle
Referent: Dr. Daniel Keil

Die Euro-Krise hat sich mittlerweile zu einer handfesten Krise der politischen Institutionen ausgeweitet, die sowohl die Ebene der Europäischen Union als auch die der Mitgliedsstaaten betrifft. Das komplexe politische Gefüge ist stark erschüttert, was sich in den Schlagworten Griechenland-Krise, „Flüchtlingskrise“ und Brexit zusammenfasst. Sie ist daher nicht bloß als Verwertungskrise zu betrachten, sondern muss in einem breiteren Kontext gesellschaftlicher Krisenerscheinungen analysiert werden. Zu letzteren gehören auch die erstarkten rechten Bewegungen, die sowohl auf der Straße als auch in den Parlamenten Erfolge erzielen.

Im Vortrag wird der Zusammenhang der Krise der Europäischen Union mit dem Erstarken der rechten Bewegungen anhand des Begriffs der politischen Krise herausgearbeitet, mit dem ein komplexeres Bild möglich ist und vor allem die europäische Dimension der neurechten Bewegungen berücksichtigt. Zudem ermöglicht dies einen Blick auf emanzipatorische Handlungsoptionen in diesem schwierigen Feld.


Die Veranstalter*innen behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

Vortrag: Der verzweifelte Schrei nach Revolution – Die rechtsradikalen Identitären in Halle

Jutebeutel, Aufkleber gegen „Islamisierung“, Transpiaktionen am Audimax. Die Identitäre Bewegung ist jüngst mit ihrem lokalen Ableger Kontrakultur erneut in Halle auf dem Campus in Erscheinung getreten. Ihr Ziel ist dabei der nichts weniger als die Revolution. Nicht anders ist die Kampagne „Ein Prozent“ zu verstehen, die darauf abzielt, eine „kritische Masse“ zu erzeugen, die das bestehende politische System beseitigt. Die Identitären träumen von ihrem 1968 – was nicht zuletzt durch ihren Hass auf 1968 begründet ist. Sie nutzen Aktionsformen der ehemals Neuen Linken und verkleiden diese in pseudointellektuellem Gewand. Die aufgesetzte „Intellektualität“ dient dabei vor allem auch dazu, die vereinzelten Träume von einer Wiederkehr des Nationalsozialismus zu kaschieren.

Anna und Arthur werden euch die Wurzeln der Identitären, ihre Aktionskonzepte, Aktionen und Vernetzung in die rechte Szene näher bringen. Besonderer Fokus liegt hierbei auf Aktionen und Aktivisten in Halle.


Dienstag, 15.11.2016 um 19 Uhr
Ort: Studentischer Aufenthaltsraum/Steintor-Campus, Adam-Kuckhoff-Straße 34 a


Die Veranstalter*innen behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

Vortrag: Oury Jalloh – von Polizisten ermordet, vom Staat vertuscht

Vortrag am Donnerstag, 10.11.2016 um 18 Uhr
Ort: Studentischer Aufenthaltsraum/Steintor-Campus, Adam-Kuckhoff-Straße 34 a

Am frühen Morgen des 7. Januars 2005 wird der aus Sierra Leone geflüchtete Oury Jalloh von zwei Dessauer Polizeibeamten rechtswidrig in Gewahrsam genommen. Die Polizisten fixieren ihn an Händen und Füßen auf einer schwer entflammbaren Matratze in der Zelle 5 des Dessauer Polizeireviers. Wenige Stunden später ist Oury Jalloh bis zur Unkenntlichkeit verbrannt…

Noch bevor der Tatort „kriminaltechnisch“ untersucht wird, behauptet ein Mitarbeiter des LKA Sachsen – Anhalt in einem Video, dass „der schwarzafrikanische Mitbürger sich selbst angezündet hat.“ Es wird kein Brandsachverständiger an den Tatort gerufen. Erst drei Tage später gibt die vom Innenministerium beauftragte Tatortgruppe einen Teil des Brandschuttes ins Labor. Dort taucht plötzlich ein Feuerzeugrest auf, von welchem die Ermittler fortan behaupteten, dass Oury Jalloh mit diesem Feuerzeug die Matratze und sich selbst in Brand gesetzt habe. Das Feuerzeug wurde 2012 erstmals untersucht: es gibt keine Spuren von Oury Jallohs Kleidung oder der Matratze. Staat dessen sind unzählige Fasern mit dem Feuerzeugrest verschmolzen, deren Herkunft bislang nicht geklärt wurde. Der nachträglich präsentierte Feuerzeugrest kann also gar nicht im Brandschutt der Zelle 5 gelegen haben! Trotzdem vertritt die Dessauer Staatsanwaltschaft weiter die Hypothese der „Selbstentzündung“. Sie ignoriert auch alle anderen Beweise und Sachverständigenmeinungen, die eindeutig dafür sprechen, dass Oury Jalloh nur durch Dritte und mit Hilfe von Brandbeschleunigern angezündet worden sein kann!

Aktivist*innen der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh berichten darüber, wie der Mord an Oury Jalloh in Polizeigewahrsam seit elf Jahren durch Polizei und Justiz kollektiv vertuscht wird sowie über den aktuellen Stand der Aufklärung des Mordes an Oury Jalloh.
Oury Jalloh ist kein Einzelfall. Lügen, Vertuschung und Repression ist die Antwort staatlicher Organe, wenn es um die Aufklärung rassistischer Verbrechen geht, insbesondere dann, wenn die Täter in einer Polizeiuniform stecken.

Außerdem: Aktuelles zu der Kampagne „Gegen das #Verbrennen, #Vertuschen, #Verschweigen, #Verfolgen“ zum 12. Todestag von Oury Jalloh am 7.1.2017 in Dessau!

Organisiert von NO Halgida, gefördert vom Bündnis Halle gegen Rechts.


Die Veranstalter*innen behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

Demobericht, Schnellroda, 5.11.2016: Rechte Hetze in die Tonne!

Gestern wurde zum zweiten Mal nach viel zu vielen Jahren gegen das neu-rechte „Institut für Staatspolitik“ und die hauseigene Zeitschrift „Sezession“ demonstriert. Erneut konnten die Rassist*innen beim Feiern ihrer eigenen Menschenfeindlichkeit gestört und den Anwohner*innen sowie der interessierten Öffentlichkeit eine antifaschistische Gegenperspektive angeboten werden.
Mit 70 Personen, die teilweise aus Halle und Leipzig angereist waren, aber auch zahlreich aus der Region selbst kamen, war die Demonstration zwar relativ klein, aber trotzdem laut und entschlossen. Erstmalig konnten zwei Zwischenkundgebung in dem Ortskern selbst durchgeführt und den Hetzer*innen der rechten Medienwelt damit unsere Kritik direkt zum Ort ihrer Tagung geliefert werden. Wir machten klar, dass ihre menschenfeindliche Hetze in die Tonne gehört und verlasen Redebeiträge aus Sachsen und aus Österreich, wo die Faschist*innen der „Identitären Bewegung“ ebenfalls ihr Unwesen treiben. Außerdem machten wir klar, dass unsere Demonstration nicht in Konkurrenz zu den anderen wichtigen antifaschistischen Aktionen stand, die in Berlin, Zwickau oder Magdeburg am Samstag stattfanden.
Die anwesenden Zaungäste der rechten Szene reagierten darauf wie gewohnt mit Hass und Pöbeleien. Gerade als auf die Absurdität und die Dummheit der von Schnellroda ausgehenden Propaganda hingewiesen wurden, bewiesen sich Kubitschkes Jünger*innen als besonders schlecht im Zuhören. Trotzdem konnten wir unsere Demonstration ungehindert fortzusetzen und erfolgreich zum Abschluss bringen.
Der gestrige Tag hat gezeigt, dass noch viel zu tun ist: Mehr Menschen müssen auf die Hetze hingewiesen werden und die Ausgrenzung menschenfeindlichen Gedankengutes in Form rechter Medien muss konsequenter werden. Denn die Verfolgung von Menschen beginnt mit den Worten, die zu einem nicht unwesentlichen Teil in Schnellroda verfasst werden.

Redebeiträge (Auswahl)
Einzelperson: Zum Verhältnis des Ethnopluralismus und der Blut-und-Boden-Ideologie des Nationalosozialismus
https://domokunweb.wordpress.com/2016/11/06/zum-verhaltnis-des-ethnopluralismus-und-der-blut-und-boden-ideologie-des-ns/

Aufstehen gegen Rassismus: Rechte Hetze in die Tonne!

Demo am 5.11.2016 um 17 Uhr in Schnellroda: https://www.facebook.com/events/223591608059948/
Anreise aus Leipzig von Kaltland-Reisenhttps://www.facebook.com/events/658614577627842/

Vor Ort wird ein Busshuttle zwischen Karsdorf (Bahnhof) und Schnellroda eingerichtet. Ab 16 Uhr holen wir euch vom Bahnhof ab und bringen euch nach der Demo auch wieder zum Bahnhof zurück!

Aufstehen gegen Rassismus: Rechte Hetze in die Tonne!

Am Samstag, den 5. November, startet im Dorf Schnellroda der November-Kongress des „Instituts für Staatspolitik“. Im Mittelpunkt des Programmes steht, neben den üblichen Referenten aus der rechten Szene, die 75. Ausgabe der „Sezession“, dem Hausblatt des IfS. Dieses steht exemplarisch für die Menge rechter Medien, die sich zum einen um Kubitschek gruppiert hat und zum anderen in Folge des gesellschaftlichen Rechtsruckes auch unabhängig davon auf den Markt strömt.

So bietet die „Sezession“ Martin Sellner, dem Führer der faschistischen „Identitären Bewegung“, genauso eine publizistische Heimat wie ganz rechten Burschenschaftlern oder selbsternannten Libertären. Über die Autor*innen wird auch die Verbindung zu anderen rechten Medien deutlich, so schreiben diese auch für die identitäre Schülerzeitschrift „Blaue Narzisse“, für das rechts-libertäre Magazin „eigentümlich frei“, für die „Burschenschaftlichen Blätter“, für das neo-nazistische Blatt „Neue Ordnung“ und auch für die sich ansonsten bemüht bürgerlich-konservativ gebende „Junge Freiheit“.

Den genannten Medien ist gemein, dass sie völkisch, nationalistisch, rassistisch und sexistisch sind. In ihnen geht es stets um die Bewahrung des „deutschen Volkes“ vor Gefahren von Außen und Innen. Als Gefahren von Außen gelten den Rechten diejenigen, die momentan Schutz vor Verfolgung und Not in Deutschland suchen oder angeblich feindselige Staaten, von deren Einfluss sich das Land endlich befreien sollte. Wer als äußere Bedrohung wahrgenommen wird, ist dabei relativ willkürlich, denn nach Kubitschek und seinem Gefolge funktioniert die Zugehörigkeit zum „Eigenen“ nicht über bereits problematische Kriterien wie die Staatsbürgerschaft, sondern – deutlich menschenverachtender – nach ethnischen. Im Inneren fürchten die Burschenschaflter, Identitären, Rechts-Konservativen und Neo-Nazis alles was ihnen als fortschrittlich erscheint. Nicht mehr ganz so feste Geschlechterrollen sind ihnen genauso eine Schande, wie eine „schwache“ Jugend, die wenig Lust hat sich für Deutschland nationalistisch verheizen zu lassen. Darüber hinaus pflegen Kubitschek und die Sezessions-Autor*innen gute Kontakte zu Elsässers antisemitischem und verschwörungstheoretischem „Compact-Magazin“, welches der Marktführer extrem rechter Publikationen ist.

Auch wenn die Medien zumindest alle immer das Gleiche zur Angst vor dem Fremden, zum Untergang des Eigenen und der großen Apokalypse aufgrund der bösen Moderne schreiben, bedienen sie doch ein unterschiedliches Publikum. Während man sich von der Jungen Freiheit interviewen lassen kann und weiß, dass man auch von einem Bürgertum gelesen wird, welches nach rechts rückt, aber es nicht offen zugeben möchte, findet man bei anderen Zeitungen aus dem Umfeld offene Nazis oder eher wirre Verschwörungstheoretiker*innen als Fans. Jede Kritik an der Jungen Freiheit wird diese natürlich von sich weisen und auf der theoretischen Eigenständigkeit beharren. So tauschen sich die verschiedenen Autor*innen zwar eifrig aus, machen Werbung füreinander und betreiben ihre Hetze mal mit rechtsstaatlich-bürgerlichem Anspruch und mal ohne und widersprechen mit jeder Zeile der Gleichberechtigung aller Menschen.

Deshalb sagen wir: Rechte Hetze gehört in die Tonne, an den menschenfeindlichen Parolen, die mal „theoretischer“ und mal platter formuliert sind, ist nichts, was wir akzeptieren können. Außerdem tragen wir unseren Protest in eines der Zentren dieser Hetze und demonstrieren am Samstag in Schnellroda. Wie auf der letzten Demonstration gegen die „Sommerakademie“ des IfS werden wir das Bild von der harmonischen Dorfgemeinschaft stören, uns mit den Aktivist*innen vor Ort solidarisieren und die rechten Strukturen gemeinsam angreifen. Das mittelalterliche, widerspruchslose Dörfchen mit „Rittergut“, existiert nur in den Träumen der Neuen Rechten – es gibt kein ruhiges Hinterland für Hetzer*innen, auch nicht in Schnellroda!