#IBstoppen

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Als NoHalgida wenden wir uns primär gegen jeden Versuch, Pegida-ähnliche Demonstrationen in Halle durchzuführen. Auch wenn es dazu bis jetzt nicht gekommen ist, feiert derselbe Rassismus in Halle fröhliche Umstände. Neben gewalttätigen Gruppen, die sich für “Brigaden” halten, buhlen die sogenannten “Identitären” um die Aufmerksamkeit derjenigen, die sehr stolz auf ihre Nationalität sind und diese ständig in Gefahr sehen. Diese verunsicherten Rechten betonen gerne ihren vermeintlichen Intellekt und sind in letzter Zeit mit pointierten Forderungen an die Hallesche Bevölkerung herangetreten – dass dahinter nur Menschenfeindlichkeit und Ignoranz steckt, wird im Folgendem dargestellt. Ob mit Skinhead oder Doktorhut, wo rechte Ideologie gepflegt wird, sollen Menschen sterben!

Deshalb sind wir sehr dankbar eine Aktion gegen die Identitären dokumentieren zu können, deren Inhalte uns Aktivist*innen zur Weiterverbreitung überlassen haben.

Deutschtümelei stoppen

Die Identitären sind natürlich keine “überzeugten Europäer” im klassischen Sinne. Zwar machen sie – wenn es gegen “den Islam” geht – mal eine Ausnahme und paktieren mit rassistischen Freund*innen aus Frankreich, aber grundsätzlich kämpft der*die gemeine Identitäre für sein*ihr Vaterland, welches hier nun einmal “Deutschland” heißt. Identitäre, die zufällig woanders geboren wurden, dürfen leider nicht so richtig mitmachen, auch wenn sie Deutschland für seine faschistische Geschichte noch so schätzen sollten. Der Kampf für das jeweilige Heimatland besteht meist in einer kultischen Verehrung nationaler Attribute, in diesem Fall also des “Deutschen”. Bei den Identitären zeichnet sich der deutsche Charakter offensichtlich dadurch aus, dass sich sein*e Träger*in tollkühn, mannhaft und treu in die Schlacht gegen die Feinde seines, also des “deutschen”, Volkes wirft oder sich mütterlich gegen die niedrige germanische Geburtenrate stemmt. Außerdem scheinen poetische Nationalisten wie Ernst Moritz Arndt, dessen Lebenswerk der Kampf für mehr Franzosen- und Judenhass war, ziemlich deutsch zu sein. Zur Frage, ob es auch deutsch ist, Bratwurst zu essen, Nachbar*innen anzuzeigen und Asylunterkünfte anzuzünden, haben sich die Identitären leider bis jetzt nicht geäußert, wir gehen aber davon aus. Tatsächlich scheint “deutsch” in erster Linie für die Ablehnung alles nicht-deutschen zu stehen. Das ist auch nur konsequent, denn wenn sich eine zufällig zusammengewürfelte Gruppe, deren Mitglieder erst einmal nichts gemeinsam haben, über ein konstruiertes Merkmal wie “deutsch” definieren möchte, muss sie sich von den Anderen abgrenzen. Grundsätzlich ist das kein großes Problem: Menschen, die sich freiwillig in Verbänden und Vereinen zusammenschließen, finden ihre Konkurrenz ja auch doof oder zumindest nicht so cool wie ihren eigenen Laden. Bei Nationen sieht es allerdings anders aus: Die wenigsten sind aus freien Stücken hier, niemandem begegnet dieses Deutschland im Alltag (wir begegnen vielleicht Staatsbediensteten, aber sah die Person im Amt wirklich aus wie eine Nation?) und doch trennt der Staat gewaltsam deutsches Gebiet von anderen Gebieten, trennt durch Grenzen und “Ausländerrecht” Deutsche von Nicht-Deutschen. Viele, sich widersprechende Individuen werden als deutsch gelabelt und peinliche Werbekampagne versuchen zu erklären, warum man als Deutsche*r nun mit Vaterland und Bevölkerung im Einklang zu sein hat, egal wie scheiße man die Situation oder seine Mit-Deutschen findet. Dieser zwanghafte Bezug aufs “Eigene” und die Ablehnung des “Anderen” ist die absurde Realität des deutschen Alltags. Leider reicht den Identitären das nicht, der zwanghafte Bezug ist ihnen noch nicht zwanghaft genug und die Ablehnung noch nicht ausreichend brutal. Der staatliche Nationalismus in Form von Grenzen, Kampagnen oder Staatsbürgerschaften wird bei ihnen zu einer hemmungslosen Deutschtümelei radikalisiert. Das “Deutsche” soll bei ihnen kein abstrakter Bezug zur Nation sein, sondern muss von jedem*r gelebt werden: Im Kampf gegen die Anderen diszipliniert sich der*die Deutsche und findet darin erst zu seiner Identität. Der Kampf ermöglicht es ihm nicht nur, zäh, tapfer, treu und auch patriotisch zu sein, er ist aus identitärer Perspektive notwendige Voraussetzung dafür: Während der alltägliche Nationalismus sich auf Fanmeilen, in Werbespots, in den staatlichen Organen manifestiert, braucht die radikalisierte Form den Ausnahmezustand. Die vermeintlichen Werte wie Tapferkeit oder auch Patriotismus als die Liebe zum Eigenen werden nur dann relevant, wenn sie gebraucht werden, wenn das Eigene/das Vaterland also die leidenschaftliche Hingabe tapferer Krieger braucht, da es aus der Fremde bedroht wird. Die Identitären werfen der Normalität den fehlenden Ausnahmezustand vor und deutschtümeln ihn einfach selbst herbei. Die identitäre Ideologie entpuppt sich also als eine der Aggression, des Hasses und der Ausgrenzung und sorgt – wahrscheinlich typisch “deutsch” – eh nur für Verbitterung.

Geschichte ist kein Wühltisch

Die “Identitäre Bewegung” hetzt nicht einfach so gegen Menschen, die sie als “Fremdkörper” wahrnimmt und fordert deren Ausweisung. Vielmehr will sie sich dabei einen intellektuellen Anstrich geben und stellt ihre Aktionen vor den Hintergrund eines vermeintlichen jahrtausenddealten Kampfes zwischen Gut und Böse, dem “Eigenen und dem Fremden”, zwischen West und Ost. Um sich selbst ausreichend historisches Pathos zu verleihen, wird tief in die Geschichte gegriffen und man bezieht sich in einem Atemzug auf spartanische Hopliten, christliche Kreuzritter, spanische Soldaten, fränkische Adelige, byzantinische Kaiser, deutsche Nationalisten oder den eher alternativ-historischen Aragorn, seines Zeichens König von Gondor und Verteidiger der freien Menschen gegen die bösen Orks. Das zeigt auch wie die Feinde definiert werden: Es sind diejenigen, die von den identitären Helden in 2500 Jahren Menschheits- und Fantasiegeschichte abgeschlachtet werden. Dabei wird keineswegs bedacht, dass die alten Perser mit den späteren Mauren und den viel späteren Osmanen nichts außer die Rolle als historisches Zerrbild und Ziel identitärer Aggression zu tun haben. Und dies gilt analog für die hochgelobten Vorbilder. Es ist zum Beispiel nicht zu erwarten, dass deutsche Nationalisten des 19. Jahrhunderts wirklich begeistert von der Idee wären mit dem französischen Erbfeind nun einen gemeinsamem christlichen Block gegen die islamische Welt zu bilden. Tatsächlich waren die allerkatholischsten Könige von Frankreich immer wieder mit dem Osmanischen Reich verbündet, Preußen freute sich stets über Hilfe aus der islamischen Welt und eine der ersten Moscheen in Deutschland wurde nicht von “linksgrün-versifften Multi-Kulti-Fanatikern”, sondern von Kaiser Wilhelm II. erbaut. Wieso? Nun, der aggressive Nationalist und Möchtegern-Islamversteher wollte den Westen mit Hilfe muslimischer Truppen in die Knie zwingen. Das hat zwar nicht funktioniert, zeigt aber dennoch, wie lächerlich es ist wenn deutsche und französische Identitäre jetzt erklären, ihre angeblichen Ahnen hätten schon immer zusammen gegen den Islam gekämpft und dabei eine gemeinsame Identität verteidigt. Die Identitären sollten vor ihren Aktionen das Fantasy-Buch schließen. Mit unserer Aktion leisten wir deshalb Nachhilfe und erklären: Geschichte ist kein Wühltisch!

Kartoffeln raus aus Europa

Die Identitären haben es nicht leicht: Überall lauert das Fremde, fremde Menschen und Einflüsse machen ihnen das Leben schwer, Masseneinwanderung und Überfremdung bedrohen ihre pure Existenz. Die Anwesenheit von Menschen, die sie nicht als gleich ansehen, zerstört das Bild der “Gleichen” von sich selbst. Die Welt besteht leider nicht nur aus in sich geschlossenen, uniformen Nationalstaaten, in denen alle Menschen gleich aussehen und derselben Fahne hinterherrennen. Um endlich wieder den nationalen Einheitsbrei herzustellen, fordern die Identitären die Abschottung gegenüber allen “Nichtgermanen”, hätten gerne mehr Mauern und Zäune und fahnden im öffentlichen Leben nach Produkten fremder oder volksverräterischer Umtriebe. Auch wenn sie dabei schon einiges gefunden haben, fragen wir uns, wieso sie nicht endlich mit der offensichtlichen Kritik an den bestehenden Essensverhältnissen anfangen: Die Zersetzung der deutschen Kultur fing nicht erst im 20. Jahrhundert mit den 68ern an, sondern schon viel früher. Der von vielen Nationalisten fälschlich verehrte König Friedrich der Große brachte sie über uns, als er die tapferen Bauern, die der germanischen Rübe so lange treu geblieben waren, dazu nötigte, amerikanische Kartoffeln anzubauen. Aus der Kartoffel wurden dann schnell Püree und Pommes, auf die kulinarische Zersetzung folgten der Verlust unserer Freiheitsliebe und unserer Wehrbereitschaft. Für den korrupten Verbrecher Friedrich war das gut, schließlich rebelliert es sich mit Püree im Mund nicht allzu gut, die Folgen sehen wir jetzt in unserem Straßenbild: Gerade in Halle steht ein Minarett neben dem anderen (oder auch kein einziges, aber darauf kommt’s ja nicht an!) und wir können uns nicht wehren, weil wir den ganzen Tag mit der fremden Knolle beschäftigt sind. Deshalb erklären wir uns ausdrücklich mit der Regermanisierung unserer Mittagsspeisen solidarisch und wünschen die Kartoffel zum Teufel – sprich: über den Atlantik, wo sie hergekommen ist. Möge die artfremde Speise ihre eigene Heimat “bereichern”! Kartoffeln raus aus Europa!

 

Jemand hat die Absicht eine Festung zu errichten

Auch wenn wir die Identitären bis jetzt als eher unsympathische Zeitgenoss*innen wahrgenommen haben, soll ihnen niemand unterstellen, dass sie keine konstruktiven Lösungsansätze bieten würden. Sie belassen es nicht bei dem ständigen Herumgemeckere über das arme deutsche Vaterland, die gerade in Halle ständig drohende Islamisierung und über den damit einhergehenden Verlust ihrer “Identität”. Stattdessen äußern sie die brillante Idee, doch einfach die “Festung Europa” zu errichten und alle Nicht-Europäer*innen nicht über die Festungsmauern kommen zu lassen. Auch wenn man davon ausgehen kann, dass die Identitären hier wieder Opfer ihres sehr simpel gestrickten Geschichtsbildes geworden sind und einfach nur davon träumen, mit Schwert, Schild und Plattenpanzer ihre kleinen Ritterburgen zu verteidigen und dabei böse Islamisten von den Zinnen zu hauen, ist diese Forderung auf widerlichste Weise menschenfeindlich. Denn die Identitären ignorieren zum einen, dass die “Festung Europa” bereits existiert und von den Regierenden in Deutschland und der Europäischen Union gewollt wird: An diesen politisch errichteten Mauern starben bis jetzt Zehntausende, da es kaum sichere Wege nach Europa gibt. Flüchtende die es geschafft haben, die meterhohen Hochsicherheitszäune zu überwinden, werden verhaftet, in Lagern untergebracht und schnell wieder abgeschoben. Diese Festung ist Realität und muss bekämpft werden. Was bedeutet nun aber die Forderung der Identitären? Wir können davon ausgehen, dass sie die Situation an der europäischen Außengrenze kennen. Ihre vermeintliche “Kritik” an der Asylpolitik richtet sich aber nicht gegen das massenhafte Töten und Sterben, sondern dagegen, dass ihrer Meinung nach zu viele überleben und uns hier “überfremden” würden. Die bestehende “Festung Europa” ist den Menschenfeind*innen zu brüchig, deshalb fordern sie mehr Mauern, Lager und Abschiebungen. Der damit einhergehende Tod von noch mehr Menschen ist ihnen dabei nicht nur egal, sondern gewollt, schließlich sind die Flüchtenden in deren Welt keine Notleidenden, sondern Fremde, die einen Angriff auf die “europäische Identität” ausführen. Damit sind die Identitären gewillt, für ihr Konzept der “Identität”, das weder greif- noch beweisbar ist, handfeste, real existierende Personen zu opfern. “Ihr macht mir meine Projektion von Europa kaputt, ihr müsst leider sterben.” Willkommen bei den Identitären, willkommen in der Festung Europa. Schön ist es hier nicht.

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