Skript zum Vortrag: Der verzweifelte Schrei nach Revolution – Die rechtsradikalen Identitären in Halle

Mitte November 2016 veranstalteten wir die Informationsveranstaltung „Der verzweifelte Schrei nach Revolution – Die rechtsradikalen Identitären in Halle
Im Vortrag haben wir die zahlreichen Interessierten über die Wurzeln der Identitären, ihre Aktionskonzepte, Aktionen und Vernetzung in die rechte Szene informiert. Besonderer Fokus lag dabei auf den Aktionen und Aktivisten der „Kontrakultur Halle“.
Nun liegt der Vortrag als Skript zur individuellen Lektüre vor. Informiert euch und werdet aktiv!

Vortrag zum Download (PDF): skript-rechtsradikale-identitare-halle

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Vortrag: Der verzweifelte Schrei nach Revolution – Die rechtsradikalen Identitären in Halle

Jutebeutel, Aufkleber gegen „Islamisierung“, Transpiaktionen am Audimax. Die Identitäre Bewegung ist jüngst mit ihrem lokalen Ableger Kontrakultur erneut in Halle auf dem Campus in Erscheinung getreten. Ihr Ziel ist dabei der nichts weniger als die Revolution. Nicht anders ist die Kampagne „Ein Prozent“ zu verstehen, die darauf abzielt, eine „kritische Masse“ zu erzeugen, die das bestehende politische System beseitigt. Die Identitären träumen von ihrem 1968 – was nicht zuletzt durch ihren Hass auf 1968 begründet ist. Sie nutzen Aktionsformen der ehemals Neuen Linken und verkleiden diese in pseudointellektuellem Gewand. Die aufgesetzte „Intellektualität“ dient dabei vor allem auch dazu, die vereinzelten Träume von einer Wiederkehr des Nationalsozialismus zu kaschieren.

Anna und Arthur werden euch die Wurzeln der Identitären, ihre Aktionskonzepte, Aktionen und Vernetzung in die rechte Szene näher bringen. Besonderer Fokus liegt hierbei auf Aktionen und Aktivisten in Halle.


Dienstag, 15.11.2016 um 19 Uhr
Ort: Studentischer Aufenthaltsraum/Steintor-Campus, Adam-Kuckhoff-Straße 34 a


Die Veranstalter*innen behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

„Kontrakultur Halle“ und die Immatrikulationsfeier der Uni Halle

Aktivist*innen haben am vergangenen Freitag, den 7.10.2016 eine Aktion der identitären „Kontrakultur Halle“ bei der Immatrikulationsfeier der Uni Halle kritisch begleitet.

Wir wollen hier einen kleinen Überblick über die handelnden Protagonisten des halleschen Ablegers der „Identitären Bewegung“ (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) geben.

Die Aktion bleibt indes für die „Identitären“ nicht folgenlos. Die Uni Halle hat Strafanzeige erstattet.

Kontrakultur Halle Imma 07102016.png
(1) Dorian Schubert, (2) Florian Müller, (3) Mario Müller, (4) Philip Thaler, (5) Simon Kaupert, (6) Andreas Karsten, (7) Till-Lucas Wessels, (8) Jan Scharf

(1) Dorian Schubert
Der 26-jährige Dorian Schubert ist Gründungsmitglied des Stützpunktes Lörrach (Baden-Württemberg) der neonazistischen Jugendorganisation der NPD, „Junge Nationaldemokraten“ (JN). Das Mitglied der „Freien Kräfte Lörrach“ fiel in der Vergangenheit durch Teilnahmen an Nazi-Demos sowie Übergriffen auf „Linke auf. 2014 kam es deshalb zu einem Prozess gegen ihn. Die „Freien Kräfte Lörrach“ planten 2009 einen Bombenanschlag auf ein linkes Zentrum in Freiburg.
Er ist außerdem Mitglied der rechten Burschenschaft „Halle-Leobener Burschenschaft Germania“ (HLB).

(2) Florian Müller
Florian Müller ist seit 2009 in rechten Kreisen aktiv und ist seit 2010 Mitglied der JN Halle. Er war in der Vergangenheit Bindeglied zwischen freien Kräften aus dem Saalekreis und der JN Halle. Die rechte Montagsdemo in Halle besuchte er anfangs ebenfalls.

(3) Mario Müller
Der 27-jährige bekennende Waffennarr Mario Alexander Müller ist ein ideologisch gefestigter Neonazi. „Nachdem es in seiner Familie zu Konflikten aufgrund seiner politischen Aktivität kam und er vor die Frage „Politik oder Familie?“ gestellt wurde, antwortete er „Nationaler Sozialismus oder Tod!“ und schlug sich wochenlang teils im Wald übernachtend durch.“
Mario Müller kommt regelmäßig mit dem Gesetz in Konflikt. Bei einem Angriff auf einen Jugendlichen machte er sich der gefährlichen Körperverletzung schuldig und wurde zu vier Tagen Jugendarrest verurteilt. Verfahren wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz, unerlaubten Schießens mit einer Schrotflinte, Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte, versuchter Gefangenenbefreiung, versuchter Nötigung bzw. Zeugenbeeinflussung sowie gemeinschaftlichen Landfriedensbruchs wurden gegen Auflagen eingestellt.
2013 wurde er wegen einer schweren Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

(4) Philip Thaler
Philip Thaler ist ebenfalls Mitglied der rechten Burschenschaft HLB Germania. Im Mai 2016 war er an der von „1 Prozent für unser Land“ inszenierten  Zaunbau-Aktion in Schöngleina beteiligt. Hier wurde vor einer Unterkunft für minderjährige Geflüchtete ein Maschendrahtzaun zum „Schutz“ errichtet.
Er gehörte außerdem zu dem Kreis an „Identitären“, die Ende August auf das Brandenburger Tor stiegen.

(5) Simon Kaupert
Der Gründer des Würzburger Pegida-Ablegers „Wügida“ ist regelmäßig bei Aktionen der „Kontrakultur Halle“ beteiligt. Außerdem organisierte er für die rassistische „1 Prozent für unser Land“-Gruppe die Wahlbeobachtung für die Landtagswahlen 2016 in Sachsen-Anhalt.
2015 nahm er an einem Pfingstlager der JN in Lützellinden bei Gießen teil.

(6) Andreas Karsten
Gegen Andreas Karsten liegt im Moment eine Anzeige wegen eines Übergriffs vor. Der Bericht vom 9.3.2016 der Mobilen Opferberatung Halle lautet wie folgt:
„Nach einer öffentlichen Aktion des Halleschen Ablegers der sog. Identitären Bewegung auf dem Markplatz versucht einer der Teilnehmenden, einen Beobachter daran zu hindern, ihnen in eine Straßenbahn Richtung Beesen zu folgen. Das gelingt ihm aufgrund weiterer zusteigender Fahrgäste jedoch nicht. Daraufhin kündigt der Rechte an, den Studenten an der nächsten Haltestelle aus der Bahn zu drängen und ruft eine weitere Person aus seiner Gruppe zu sich. An der Haltestelle Franckeplatz versucht der Mann dann, den Betroffenen aus der Bahn zu treten und zu zerren. Als mehrere Passanten einschreiten und die Polizei alarmieren, lässt der Angreifer von dem 25-Jährigen ab und die Gruppe verlässt die Bahn. Dem Betroffenen und weiteren Zeugen gelingt es, die Gruppe zu verfolgen, sodass vor Ort eintreffende Polizeibeamte kurz darauf die Personalien des Angreifers aufnehmen können. Der Student erstattet Anzeige.“

(7) Till-Lucas Wessels
Das Mitglied der Sängerschaft Fridericiana Halle trat am 5.9.2016 bei der rassistischen Pegida-Demo in Dresden auf. Zuvor hatte er zusammen mit Melanie Schmitz (ebenfalls Kontrakultur Halle) einen Auftritt auf der AfD-Wahlparty in Mecklenburg-Vorpommern.

(8) Jan Scharf
Jan Scharf ist Mitglied der rechten Burschenschaft HLB Germania.

Bildquelle (Hausfriedensbruch – Uni Halle erstattet Strafanzeige gegen Identitäre): Screenshot www.mz-web.de

Identitäre missbrauchen die Toten in Nizza, um nationalistische und menschenverachtende Ideologien auf die Straße zu tragen

Heute Nachmittag machte die sogenannte Kontrakultur Halle mit einer Aktion deutlich, wie menschenverachtend und nationalistisch ihre Ideologie ist.

Nachdem sie sich zunächst am Hallmarkt getroffen haben und unsere Anwesenheit bemerkt wurde, irrten sie erst mal eine Stunde durch die Stadt. Nach eingängiger Beratung hielten sie es anscheinend doch für sicherer ihre Aktion bei der Polizei anzumelden. Gefühlte Stunden später stellten sie sich dann mit einem Transpi und Pappkarten an den Boulevard und verbreiteten ihre Hetze gegen geflüchtete Menschen. Sie missbrauchten die Toten in Nizza, um gegen Menschen zu hetzen, die vor Krieg und Verfolgung fliehen. Unterstützung bekamen sie dabei u.a. von dem aus Österreich angereisten Martin Sellner (IB Österreich).

Doch bei diesem Affentheater blieben sie nicht ungestört. AntifaschistInnen kommentierten die Aktion mit lautem und entschlossenem Protest. Damit machten sie auch den umstehenden PassantInnen deutlich, um was es bei der Aktion der identitären RassistInnen ging. Zudem wurde ein Transparent hoch gehalten auf welchem „Montagsdemo, Brigade, Kontrakultur, AfD – Scheisze- Reclaim the streets“ zu lesen war. Durch die Unterbrechung fühlten sich die identitären Nazis sehr gestört und Sellner ging auf die AktivistInnen und deren Transpi los.

Das anwesende ZDF Fernsehteam dokumentierte die Aktion ebenfalls.

Für uns steht fest: Kein Fußbreit dem Faschismus. Alerta!

Screenshot - Kontrakultur Halle

Update: Outing der Identitären um „Kontrakultur Halle“ – „Achtung Neonazi im Seminar“

Heute gab es an der Uni Halle eine Outingaktion, bei der drei Mitglieder der sogenannten Kontrakultur Halle öffentlich gemacht wurden. Wir dokumentieren hier die Aktion.
Unter dem Motto „Achtung Neonazi im Seminar“ wurde zudem die Gefährlichkeit der Gruppierung, die der „Neuen Rechten“ zuzuordnen ist, deutlich gemacht.

Mehr Informationen zu der Aktion:
https://linksunten.indymedia.org/de/node/181641
https://linksunten.indymedia.org/de/node/181646
https://linksunten.indymedia.org/de/node/181644

Update: Am 30.6.2016 gab es ein weiteres Outing.
Neben den bereits bekannten Stilling, Schmitz und Kraft wurden nun auch Mario Alexander Müller, Philip Thaler, Andreas Karsten, Dorian Schubert, Jan Scharf und Till Lucas Wessels goutet.
https://hosenrunter.noblogs.org/?page_id=55#Kontrakultur