Screenshot FB-Seite "Bürgerstiftung Halle"

Bildung im Vorübergehen? Bei der „Bürgerstiftung Halle“ eher nicht

Am 24. August 2017 wurde im Rahmen des Projektes „Bildung im Vorübergehen“ der Bürgerstiftung Halle ein Zusatzschild zur Erklärung des Namens der „Jahnstraße“ aufgehängt. Die Tatsache, dass sich die Bürgerstiftung dieses Schild von der extrem rechten Burschenschaft „HLB Germania“ spenden ließ, wurde bereits kritisiert und hat dazu geführt, dass sich die Stiftung distanzierte. Sie gesteht ein, dass es ein Versäumnis war, die menschenverachtenden Positionen der Germania nicht vorher recherchiert zu haben und erklärt, dass die Bürgerstiftung grundsätzlich andere Werte vertrete. (1)

Wir finden diese Klarstellung erst einmal richtig und wichtig und weisen darauf hin, dass es eine dringende Abgrenzung aller demokratischen Kräfte gegenüber der extremen Rechten, wie sie sich unter anderem in der Germania sammelt, braucht. Der Inhalt des Zusatzschildes macht jedoch sehr gut das Bildungsverständnis der Stiftung deutlich, welches wir deutlich ablehnen. „Bildung im Vorübergehen“ würde für uns nämlich bedeuten, dass – natürlich stark komprimiert – eine Person auch in den historischen Kontext eingeordnet wird. Das passiert auf dem Jahn-Schild allerdings nicht, vielmehr gibt es einige Buzzwords, die inhaltlich wenig hergeben. So sei Friedrich Ludwig Jahn „Student, Politiker, Pädagoge, Patriot, Gründer der Turnbewegung und Wegbereiter der Burschenschaften“ gewesen. So wahr diese Inhalte sind, so wenig bilden sie die Fußgänger*innen doch weiter. Von den Beschreibungen hat niemand einen Mehrwert, weil sie nur behaupten, „was“ Jahn gemacht hätte und nicht „warum“ und „wie“. Er hat geturnt, aber warum? Er war Politiker, aber was für einer? Solche und ähnliche Fragen, würden Einordnung, Diskussionsstoff und wieder neue Fragen ergeben, die Lösung der Bürgerstiftung ergibt nur neue Wörter zum lesen.

Die Bügerstiftung nimmt für sich in Anspruch einen Bildungsauftrag zu haben. Um diesen wirklich ernst zu nehmen, müssten die Zusatzschilder aufwändiger formuliert werden, was jedoch nicht heißt, dass der Text automatisch länger werden muss. Jahns Interessensgebiete hingen eng zusammen: So war er sowohl als „Patriot“ als auch als „Politiker“, „Pädagoge“ und „Turner“ ein autoritärer, rassistischer, sexistischer Nationalist, der sein gesamtes Streben danach ausrichtete, das deutsche Volk im Inneren rein und nach Außen stark zu machen. Die „Reinheit“ im Inneren, in dem jede*r mit Turnen und züchtigender Erziehung seinen*ihren Platz findet und zugerichtet wird, ist dabei natürlich genauso eine Wahnvorstellung, wie Jahns pathologischer Hass auf „die Franzosen“, der ihn vor und nach den napoleonischen Kriegen jedes Erlernen der bedeutenden Sprache ablehnen ließ. Wenn diese Kritikpunkte an Jahn, die keine zeitbedingten „Ausrutscher“ sind, sondern seine zentrale Motivation darstellten, angebracht worden wären, hätte man ein tatsächliches Bildungsangebot geschaffen, welches mit den Mythen um den „Turnvater“, der immer noch einfach als „liberal“ gilt, ein Stück weit aufräumen könnte.

Wir bedauern, dass die Bürgerstiftung diese Chance nicht ergriffen hat und kritisieren die Methode, die letztendlich dazu führt, dass nur altbekannte Etiketten an die Straßenschilder Halles angeheftet werden. Wir fordern neben der bereits erfolgten Distanzierung von der extremen Rechten ein Umdenken hin zu einem sinnvolleren Bildungsverständnis.

(1) „Bürgerstiftung bekennt sich zu Vielfalt und demokratischen Werten“ https://www.buergerstiftung-halle.de/ Gesichert: http://archive.is/nGEht

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Protest gegen die von Sven Ebert organisierte Lesung mit Willy Wimmer im „DORMERO“

Am 23.03.2017 fand in Halle im „DORMERO Kongress- und Kulturzentrum“ eine von Sven Ebert organisierte Lesung mit dem in der extremen Rechten etablierten Propagandisten Willy Wimmer statt.
Gäste der Veranstaltung waren u.a. der rechte Querfrontler Sven Liebich und mehrere Mitglieder der identitären „Kontrakultur Halle“.
Wir dokumentieren im folgenden die durch den Gegenprotest verteilten Flyer:

Konsequent gegen „Neue Rechte“ – Rassismus ist nicht verhandelbar!

Gedenkkundgebung für Jörg Danek

Das Offene Antifaplenum Halle ruft für Donnerstag, den 29.12.2016 um 15 Uhr zu einer Gedenkkundgebung vor dem Neustadt-Centrum für den von Neonazis in Halle ermordeten Jörg Danek auf und schreibt dazu:

„Bereits letztes Jahr gedachten wir dem von Neonazis ermordeten Jörg Danek. 16 Jahre nach seinem Tod versammelten sich etwa 20 Menschen vor dem S-Bahnhof Halle Neustadt. Grafitti-Künstler gestalteten mit Sprühkreide den Schriftzug „Jörg Danek – Niemand wird vergessen!
Auch dieses Jahr möchten wir auf das Schicksal Jörg Daneks aufmerksam machten und den Tatort als solchen sichtbar machen. Zum anderen soll diese öffentliche Kundgebung als Aufruf dienten, Angehörige und Freund*innen des Getöteten zu finden.“

Facebook-Veranstaltung: https://www.facebook.com/events/1202714089804180/

Hintergrundinfos zur Tat auf der Webseite der Kampagne „Wir erinnern an Opfer rechter Gewalt in Sachsen-Anhalt“: http://www.rechte-gewalt-sachsen-anhalt.de/todesopfer/joerg-danek/

Beitrag bei den Antifa-News von Radio Corax: http://radiocorax.de/antifanews-fuer-den-29-dezember-2016/

Gegen jede Menschenfeindlichkeit – in der Uni und in Schnellroda!

Diese Protestaktion findet nicht umsonst vor der Steintor-Bibliothek im relativ neuem „Geistes- und Sozialwissenschaftlichen Zentrum“ statt. Denn hier lernen nicht wenige Menschen für ihre nächste Haus- oder Abschlussarbeit, die sich innerhalb ihres Studiums und nebenbei als überzeugte Menschenfeind*innen beweisen: In den Philosophischen Fakultäten I und II treiben „Identitäre“ ihr Unwesen, die für rassistische Ausgrenzungsphantasien, sexistische Rollenbilder und fortschrittsfeindliche Gedankenbilder stehen. Mit ihrer Lokalgruppe „Kontrakultur Halle“ haben sie bereits für eine sofortige Schließung der Grenze und eine Ausweisung muslimischer Migrant*innen plädiert. Damit möchten sie nicht nur wissentlich das Grundrecht etlicher Menschen verletzen, sondern folgen auch ihrem rassistischen Impuls, das vermeintlich deutsche Volk unbedingt ethnisch und kulturell „rein“ halten zu wollen. 
 
Für sie funktioniert eine Gesellschaft nur dann, wenn keine „Fremden“ mitmachen dürfen. Das „Fremde“ ist dabei natürlich konstruiert: Heute sind es vor allem Muslim*innen und Volksfeind*innen, wie Antifaschist*innen und sonst wie fortschrittlicher gesinnte Menschen, morgen können es aber wieder andere sein. Ihr Geschlechterbild ist ähnlich mittelalterlich, denn sie glauben an die „naturgegebenen“ Rollen von Mann und Frau, die sich nicht wirklich ändern können. Dass das die Frau an den heimischen Herd fesselt und den Mann zu patriarchaler Gewalt verpflichtet, ist gewollt.
 
All das ist Teil der identitären Grundhaltung: Man erklärt dem Fortschritt, der schon darin gesehen wird, dass die Geschlechter zumindest in einigen Bereichen gleichgestellt sind, nicht nur „bio-deutsche“ in Deutschland leben dürfen und demokratische Prinzipien die Gewalt der rechten Massen ersetzt haben, den Krieg. Dagegen wird die Idee einer Volksgemeinschaft gesetzt, in der jede*r einen festen  Platz hat. Die Frauen dürfen dann den Herd hüten, die Männer böse Fremde erschlagen, die Fremden zurück in ihre angebliche Heimat getrieben werden und alle die, die mehr vom Leben wollen als identitäre Eintönigkeit, werden unterdrückt. So stellen sich die Identitären den Ausweg aus den Problemen der kapitalistischen Moderne vor – sie lehnen nicht den Kapitalismus ab, sondern alles Moderne. Dass sie das Leben der Menschen damit nur verschlimmern würden, geht in der Ideologie unter.
 
Diese Menschen fühlen sich mit ihrem Gedankengut an der Universität Halle sehr gut aufgehoben. Obwohl es Versuche gab, den menschenfeindlichen Hintergrund der Akteur*innen zu betonen, entwickelt sich Halle immer mehr zum Zentrum dieser rechten Bewegung. Während die Uni-Leitung behauptet, dass man an einer Hochschule grundsätzlich „weltoffen und tolerant“ sei, verbreiteten die Identitären ihre Einstellungen in Vorlesungen und Seminaren, bereiten ihre weitere Karriere als Hetzer*innen vor und greifen engagierte Antifaschist*innen persönlich an. Die Infrastruktur dafür liefern die Studentenverbindungen Halles, allen voran die Burschenschaft Germania, die ihren offen Rassismus mit komfortabler Ausstattung praktizieren können. Auch die Studierenden sind bis jetzt nicht aktiv geworden, ihnen das Studium schwer zu machen, obwohl Wortmeldungen in den Lehrveranstaltungen deren Einstellung offensichtlich gemacht haben.
Dazu tut die sachsen-anhaltische Umgebung ihr übriges – ab dem 16. September treffen sich die halleschen Identitären mit Rechtsextremen aus dem gesamten Bundesgebiet in Schnellroda im Saalekreis zur „Sommerakademie“. Dort werden sie sich vernetzen und neue Ideen sammeln, wie man allen fortschrittlichen Kräften und allen vermeintlichen Feind*innen das Leben schwer bis unmöglich machen kann. 
Als No Halgida können wir nicht akzeptieren, dass diese Universität zum Sammelbecken vom Menschenfeind*innen wird. Genauso wenig können wir akzeptieren, dass sich die studentischen Identitären mit ihren Freund*innen ungestört in Schnellroda treffen können. Deshalb rufen wir am 16.9. zum Protest gegen die „Sommerakademie“ auf und werden die dort vertretenen reaktionären Ansichten benennen und bekämpfen!

Aufruf: https://www.aufstehen-gegen-rassismus.de/aktuelles/aufstehen-gegen-rassismus-rechte-denkfabriken-bestreiken/
FB-Veranstaltung: https://www.facebook.com/events/1041851099267571/

Transpi- und Flyeraktion im „Auktionshaus Sven Ebert“

Nachdem Sven Ebert in letzter Zeit vor allem durch die Verbreitung menschenfeindlicher Ideologien auf sich aufmerksam machte, haben wir heute bei einer Versteigerung in seinem Auktionshaus ein deutliches Zeichen gesetzt.

Kurz bevor die erste Bieterin neben dem Zuschlag auch noch das rassistische Buch „Umvolkung“ des Autors Akif Pirinçci vom Auktionator Sven Ebert geschenkt bekam, starteten wir unsere Aktion.

aktion-sven-ebert
Transpi- und Flyeraktion im Auktionshaus Ebert
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Flyer Seite 1 – Auktionshaus Ebert
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Flyer Seite 2 – Auktionshaus Ebert

 

 

 

Kooperation mit Menschenfeinden beenden!

In den letzten Tagen ist herausgekommen, dass hinter der Umzugsfirma Ebert offensichtlich eine Menge menschenfeindlicher Ideologie steckt. Auch wenn wir diese „Enthüllungen“ sehr begrüßen und hoffen, dass die Geschäftspartner*innen daraus jetzt ihre Schlüsse ziehen, fällt doch auf, dass die Einstellung des Inhabers, Sven Ebert, lange bekannt und verbreitet wurde.
So trat er bereits vor der Landtagswahl im März 2016 auf einer Veranstaltung der AfD Sachsen-Anhalts auf, die vom neu-rechtem „Compact-Magazin“ aufgezeichnet wurde. [1] Das Compact-Magazin wird vom Verschwörungsideologen Jürgen Elsässer geleitet, der dort immer wieder Aufrufe zum „Umsturz“ verbreitet und gegen Geflüchtete, „Zionisten“, Israel und die USA hetzt. Allein das sollte Ebert als Menschenfeind outen, denn die AfD ist in Sachsen-Anhalt noch deutlicher rechter als der Landesverband und Forderungen wie der nach der „Obergrenze 0“, der Abschaffung der Kunstfreiheit oder die Ächtung von Homosexualität gehören zum Standardrepertoire der lokalen Spitzen. Allerdings war Ebert nicht nur dort, sondern ging mit rassistischen und anti-demokratischen Äußerungen auch locker mit, wenn er die allgemeine Hetze nicht sogar übertraf.
 
So stellte sich Ebert, der tatsächlich Mitglied der grünen Partei ist, als solches vor, betonte aber gleichzeitig kein „Pädophiler“, nicht „auf Crystal Meth“ und gegen „Frauenquote“ und „Genderwahnsinn“ zu sein. Er sei hauptsächlich bei den Grünen eingetreten, um die heimische „Kulturlandschaft“ zu wahren, könne aber mit der herrschenden Meinung, die er als „Rinderwahnsinn“ bezeichnet, nichts anfangen. Sein fehlendes Demokratieverständnis bewies er dann auch, als er feststellte, dass die grünen Spitzenpolitiker*innen wirken würden, als seien sie ferngesteuert.
 
Zur Asylpolitik fiel ihm ein, dass er grundsätzlich nichts gegen Hilfe gegenüber Schwächeren habe, aber allzu asylfreundliche Politiker*innen wie Bodo Ramelow auch einfach selbst „da runter“ fahren könnten, um den Tag mit „In schā’a llāh“ (einer islamischen Formel) zu begrüßen. Als wichtiges grünes Anliegen beschrieb er den Kampf gegen „Halal-Fleisch“ und Schächtungen, denn „die (also die Muslim*innen, Anm.) können das in ihrer Wüste betreiben“. Auch gegenüber der Huffington Post erklärte er, dass er wegen „dieser Asylpolitik“ die Grünen nicht mehr wählen könne, da es nicht angehen könnte „Hinz und Kunz“ ins Land zu holen. Wichtig ist Ebert dabei auch, dass die Geflüchteten wieder verschwinden, also „ihr Land aufbauen“. Außerdem behauptet er, dass der Grünen-Politiker Sebastian Striegel „Faschismus und Rassismus fördere“ und meinte damit das antifaschistische Engagement des Politikers. [2]
 
Die Tatsache, dass Ebert seine Umzugsfirma nun dazu benutzt für das Buch „Umvolkung“ von Akif Pirinçci zu werben, hat also eine lange Vorgeschichte und kommt nicht aus dem Nichts. Die von Pirinçci vertretene These, in Deutschland grassiere der politische Wahn und das Volk würde ausgetauscht („Umvolkung“, der Titel des Buches und ein nationalsozialistischer Kampfbegriff) sind genau die Hauptelemente des bisherigen Ebert’schen Denkens. Die Elite (also die Spitzenpolitiker*innen, „die da oben“) wird entweder als wahnsinnig, bewusst volksverräterisch oder ferngesteuert imaginiert, denn es geht um die Vernichtung des „deutschen Volkes“, die eigentlich niemand wollen könne. Diese angebliche „Vernichtung“ besteht allerdings nur darin, dass man nicht-Deutschen Flucht und Migration in die Bundesrepublik nicht völlig verschließt. Auch wenn sich die neue Rechte ungern so offen äußert, geht es also um die „Reinheit der Rasse“ und nichts anderes.
 
Sven Ebert darf aber nicht nur als wirrer „Urgrüner“ zur Legitimation menschenfeindlicher Positionen herhalten, sondern verfügt offensichtlich über beste Kontakte und eine gewisse Wichtigkeit in den rechten Netzwerken Sachsen-Anhalts. So trat er auf Demos mit seinem Compact-Schild auf [3], schüttelte dem Rechts-Außen-MdL und Nazi-Unterstützer („Identitäre Bewegung“) Hans-Thomas Tillschneider die Hand [4] und benutzt auch seine Auktionen auf „Gut Sannenschein“ in Schkopau zur intensiven Bewerbung des Compact-Magazins. Die erwähnten Auftritte auf der AfD-Veranstaltung und in der Huffington Post beweisen, dass die Rechten seine Bemühungen honorieren.
 
Da es nicht wahrscheinlich ist, dass Ebert seine Einstellung in nächster Zeit ändern wird, sondern davon schwadroniert, dass ihn die Methoden der heutigen Antifaschist*innen an die Methoden der „Neonazis und Faschisten“ erinnern [5], fordern wir:
 
– die Stadträt*innen Halles dazu auf, sicherzustellen, dass jede Kooperation mit Sven Ebert und den Einrichtungen, an denen er beteiligt ist, eingestellt wird.
 
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Sachsen-Anhalt dazu auf, das Ausschlussverfahren gegen Sven Ebert bis zum erfolgreichen Abschluss zu bringen und sicherzustellen, dass solche Einstellungen zukünftig keinen Platz in der Partei haben.
 
– die zuständigen Stellen dazu auf, das ehrenamtliche Engagement Sven Eberts als Handelsrichter am Landgericht Halle (Saale) zu beenden [6].
Verweise:
[1] „COMPACT Live: AfD vor dem Durchbruch“, 31.3.2016