Demobericht “IfS dicht machen! – Neue Rechte alt aussehen lassen“, Schnellroda 17. Februar 2017

Am 17. Februar konnten wir in Schnellroda von 13 bis 18 Uhr erfolgreich verschiedene Protestaktionen durchführen. Darunter waren ab 13 Uhr drei Infopunkte an allen Aus- bzw. Einfahrtsstraßen des Dorfes. Die Punkte wurden von NoHalgida, der Linkspartei des Saaleskreises und dem Querfurter Bündnis für Weltoffenheit organisiert und verantwortet, womit auch die regionale Verbindung unseres Protestes im Saalekreis deutlich wird. Von dort aus beobachteten die gut 40 bereits anwesenden Antifaschist*innen die Szenerie, insbesondere den Einmarsch der zum „Institut für Staatspolitik“ (IfS) anreisenden Faschist*innen. Dabei wurde auch unser Unmut über die dort vertretene menschenfeindliche Propaganda und die Anwesenheit theoretischer und praktischer Gewalttäter*innen deutlich.

Die Tatsache, dass vor allem Menschen aus dem Umfeld der “Identitären Bewegung” am Nachmittag bereits ausschwärmten, um die Menschen an den einzelnen Infopunkten zu beleidigen, abzufotografieren und zu stören, hat unserem Protest letztendlich nicht geschadet, sondern war vielmehr ein Beleg für die Gefährlichkeit und ideologische Verrohung der IfS-Teilnehmer*innen. Dazu passt die bei der Beobachtung festgestellte Anwesenheit etlicher überregionaler und lokaler Nazi-Kader, die teilweise zur Akademie anreisten, teilweise aber auch dem Ruf Kubitscheks gefolgt waren, sich am Tagungsort mit Glühwein zu betrinken und die IfS-Tagung durch ihr militantes Auftreten zu unterstützen. Daran sieht man, dass das IfS zum einen von der lokalen Neo-Nazi-Szene geschätzt wird und zum anderen, dass Kubitschek sich auf die Nazi-Schläger*innen Sachsen-Anhalts verlassen kann.

Trotzdem konnte von 13 bis 16 Uhr mit angereisten und einheimischen Menschen auf antifaschistischer Basis diskutiert und die Dominanz der Faschist*innen im Dorf gebrochen werden. Ihnen gelang es weder unsere Info-Arbeit zu stören, noch hatten sie das Gefühl offen und ohne Probleme selbst anreisen zu können, denn wir konnten kaum Verkehr in Schnellroda feststellen. Offensichtlich haben sich IfS’ler*innen also ins Dorf schleichen oder deutlich früher als geplant abreisen müssen, um unserer Kritik und unserem Protest entgehen zu können.

Der zweite Teil des Protestes war unsere Demonstration durch das Dorf ab 16 Uhr. Hier fanden sich (je nach Schätzung) zwischen 110 (Polizei) und 150 (MDR) Menschen ein und zeigten, dass sie für eine freie und solidarische Gesellschaft eintreten und sich dafür einsetzen wollen, dass die Rechten auch in kleinen Dörfern kein ruhiges Hinterland haben! Untermauert wurde diese Vorhaben durch viele inhaltlich wertvolle Redebeiträge, zum Beispiel von Kaltland-Reisen aus Sachsen [1], einem Beitrag der Gruppe “vonnichtsgewusst” aus Österreich oder vom Bündnis Querfurt für Weltoffenheit.

Auch wenn wir natürlich nicht zufrieden sind, solange die Menschenfeind*innen vom Institut für Staatspolitik in Schnellroda noch ihre Basis haben und eine gewisse gesellschaftliche Wirkmächtigkeit entfalten können, werten wir den gestrigen Tag als Erfolg für unseren antifaschistischen Protest und danken allen Helfer*innen, Teilnehmer*innen und interessierten Anwohner*innen für ihre Zeit und ihr Engagement. Eine traurige Bestätigung für unsere Arbeit lieferte leider noch der Verlauf des Abends, denn einem Querfurter Aktivisten wurden von mutmaßlich rechter Seite für seine antifaschistische Arbeit die Reifen seines Autos zerstört. Wir nehmen auch diesen Vorfall als Anlass gegen den Ort vorzugehen, an dem diese Gewalt vorgedacht wird: das IfS!

[1] Redebeiträge (Auswahl):
Kaltland Reisen: Jack und die starken Männer – Ein Maskulinist in Schnellroda
http://kaltland.blogsport.eu/redebeitraege/jack-und-die-starken-maenner-ein-maskulinist-in-schnellroda/

Jule Nagel: IfS dicht machen – Diskursverschiebung nach rechts unterbrechen! http://jule.linxxnet.de/index.php/2017/02/18414/

No Halgida https://nohalgida.wordpress.com/2017/02/18/redebeitrag-zur-demo-ifs-dicht-machen-neue-rechte-alt-aussehen-lassen-schnellroda-17-februar-2017/

SDS.Die Linke MLU: Die falsche Kritik am Falschen – Kubitscheks Meinung über das Holocaustgedenken https://www.facebook.com/notes/sdsdie-linke-mlu/die-falsche-kritik-am-falschen-kubitscheks-meinung-%C3%BCber-das-holocaustgedenken/1256055537776602

Kollektiv „vonnichtsgewusst“: Warum Gewalt Kern der „Neuen“ und „Alten“ Rechten ist http://vonnichtsgewusst.blogsport.eu/2017/02/26/warum-gewalt-kern-der-neuen-und-alten-rechten-ist-redebeitrag-schnellroda-17-02-2017/

Demoberichte:
Bündnis Querfurt für Weltoffenheit https://querfurt-fuer-weltoffenheit.blogspot.de/2017/02/ifs-dicht-machen-demobericht.html

Kaltland Reisen http://kaltland.blogsport.eu/reiseberichte/eine-landpartie-oder-warum-schnellroda-nicht-auf-ziegen-reduziert-werden-sollte/

Kollektiv „vonnichtsgewusst“ http://vonnichtsgewusst.blogsport.eu/2017/02/26/fest-der-voelkischen-demobericht-schnellroda-17-02-2017/

Bilder der Demo:
https://www.flickr.com/photos/simontelemann/sets/72157680453911545

https://www.flickr.com/photos/lukasbeyer/sets/72157678859844770/with/32141319843/

https://www.flickr.com/photos/150524166@N05/sets/72157676955139033

Redebeitrag zur Demo: “IfS dicht machen! – Neue Rechte alt aussehen lassen“, Schnellroda 17. Februar 2017

Lieber Martin,

wir wissen, dass du es gar nicht magst, wenn man dich thematisiert. Deswegen machen wir es einfach mal. Vermutlich hockst du grad an einer Längsseite eines Tisches im Veranstaltungsraum des Schäfchens, oder du filmst, dir mit der Zunge die Mundwinkel ausleckend, die böse Antifa, die jedes Mal kommt, um deinem intellektuellen Schamanen und seiner Ziege auf die Nerven zu gehen. Wir sind uns jedoch sicher, dass du aufgrund deines Narzissmus den Beitrag lesen wirst. Dabei ist uns auch egal, ob du dir in Wien in die Hose gemacht hast, oder deine 15 Fotos um zu beweisen, dass dem nicht so war. Denn weder dein Narzissmus, noch deine eventuelle Inkontinenz sind schlussendlich politische Kategorien, die zu kritisieren sind. Grund unseres Beitrages ist dein morgiger Vortrag, bei dem Du zur Gewaltfreiheit der Identitären Bewegung schwafeln willst, während du mit dem Finger am Abzug der Pfefferspraypistole in der Hosentasche spielst. Dies und deine Verbalinkontinenz, die du mit deiner Agitation faschistischer Ideologie verbreitest, sind die Gründe, warum es sich lohnt dich in den Fokus zu nehmen.

Lieber Martin, wir kennen uns. Nein, noch nicht so lange, dass wir dich bei deinen Neonaziaktivitäten im Umfeld von Küssel erlebt hätten, die du nonchalant mit einem Verweis auf Jugendsünden beiseite wischst, wie du es auch mit den Kategorien der Klasse und Rasse machst. Ja, lächelnd argumentative Luftgebäude aufbauen, das kannst du. Bestimmt auch lächelnd über die Friedfertigkeit deiner testosterongesteuerten Jugendbande referieren, doch wie sieht es in der Realität aus? Bei unseren Treffen, als du die aus neonazistischen Schlägern bestehenden hallenser Ableger besuchtest, warst du gar nicht so friedfertig. Wir konnten erleben, als du zum rasenden Ziegenbock mutiertest, als etwas nicht so klappte, wie du es dir vorgestellt hast. Wir konnten erleben, wie aus der intellektuellen neurechten Avantgarde ein ordinärer rechtsextremer Schlägertrupp wurde.

Lieber Martin, und zu der Sache in Wien: wir können uns gut vorstellen, wie du feuchte Hosen bekamst, als du deinen Drang zur unmittelbaren aggressiven Tat befriedigen konntest. Als du mit einem, für den Angegriffenen als Pistole wahrzunehmenden, Gegenstand mal schön auf die „volkszersetzenden“ Linken ballern konntest. Als du deine von Abwehrhalluzinierungen nur so triefende faschistische Ideologie konkretisieren konntest. Natürlich im Duktus der heroischen Tat, des sich aufopfernden heldenhaften Recken. Als du dich kurz als Ernst Jünger fühlen konntest, halten wir es für möglich, dass sich auch die Verbindung deiner Libido mit der ausführenden Gewalt, in der Tat einer feuchten Hose artikulierte.

Lieber Martin, warum sagen wir das so? Warum thematisieren wir das? Weil es den Kern eurer Ideologie betrifft. Weil ihr euch mit jedem Argument auf die Gewalt bezieht, die ihr gewollt seid gegen nicht zum Volkskörper Gehörende anzuwenden. Doch, lieber Martin, das werden wir nicht zulassen. Deswegen thematisieren wir dich und deine Gewaltgeilheit. Deswegen gehen wir dir und Götz auch jedes Mal in dem von euch als ruhigen Agitationsort imaginierten Schnellroda auf die Nerven.

Alerta Antifascista.
Für die Befreiung der Ziege.